GESCHICHTE DES BUNDESWETTBEWERBS DEUTSCHSPRACHIGER SCHAUSPIELSTUDIERENDER

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Prof. Rolf Nagel, spiritus rector des Theatertreffens, anlässlich des 20jährigen Jubiläums 2009 in Zürich:

"Als 1974 Prof. Simhandl und das Max-Reinhardt-Institut in Westberlin durch die Veranstaltung eines Theaterpädagogischen Kongresses eine längst fällige Diskussion über die Ausbildungsziele und Methoden der Ausbildung von Schauspielerinnen und Schauspielern, unter Einbeziehung aller Institute im deutschsprachigen Raum, in aller Öffentlichkeit initiierte, bedeutete das den Beginn eines Austauschs über zum Teil sehr kontroverse Ansätze in der Berufsausbildung für das Theater.

Es war das Verdienst der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Staatstheater durch die Einladung an die Lehrenden und Studierenden zu Workshops, Präsentation von Arbeitsergebnissen und Gesprächen, diesen Austausch weiter gefördert zu haben.

Erste Gespräche 1988 mit dem Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft führten dann im Dezember 1990 zum ersten "Treffen deutschsprachiger Schauspielstudierender", verbunden mit dem "Wettbewerb zur Förderung des Schauspielnachwuchses" in Hamburg. Ausgangspunkt war also zunächst das Bedürfnis der Lehrenden sich Orientierung zu verschaffen, Positionen zu verdeutlichen, Fragen zu stellen.

Die Studierenden begriffen das Treffen und den Wettbewerb als eine Chance, den Blick aus dem von der Philosophie ihrer Lehrer bestimmten Raum hinaus auf andere Räume zu tun. Die Voraussetzungen dafür waren günstig. Sie konnten die praktischen Ergebnisse der Arbeit ihrer Kommilitonen unvoreingenommen besichtigen und sich selbst vorbehaltlos mit ihrer eigenen Arbeit präsentieren. Es lag in der Natur der Sache, dass sich die Lehrenden zunächst mehrheitlich dem Wettbewerb, der eine conditio sine qua non für die Etablierung des Treffens war, widersetzten.

Sollten die Ergebnisse der Arbeit ihrer Studierenden nicht den gewünschten Erfolg im Wettbewerb haben, so ließe sich doch daraus ein Urteil über ihre eigene Arbeit herleiten. Eine Einstellung, welche die Beziehung von Lehrer und Schüler, beziehungsweise Regisseur und Schauspieler zumindest diskussionswürdig sein lässt. Bezeichnenderweise haben die Studierenden den Wettbewerb, dem sie sich ja sehr persönlich stellten, nie so problematisiert. Sie haben als Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Kollegen zwar kritisch beobachtet, aber auch begeistert gefeiert. Sie haben in den anschließenden Gesprächen, ohne Beisein ihrer Lehrerinnen und Lehrer, die Ergebnisse ihrer Arbeit auf eine faire Weise hinterfragt, sich nach den Wegen erkundigt, Erfahrungen ausgetauscht. Aus diesen Gesprächen sind Anregungen, Wünsche und Forderungen an ihre Institute erfolgt, die so auf eine sehr pragmatische Weise Defizite angegangen sind und Perspektiven eröffnet haben. So hat sich in den vergangenen 20 Jahren vielleicht eine ständige Studienreform ereignet, nicht in spektakulären Schritten, aber immerhin.

Die Diskussionen werden nie beendet sein, das Theater ist eine äußerst lebendige Kunstform. Und so steht auch die Ausbildung dafür in einer ständigen Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit und der sie im Idealfall reflektierenden Schauspielkunst. Das deutschsprachige Theater, welches im größten zusammenhängenden Sprachraum Europas seine Wirkung entfaltet, hat mit dem Bundeswettbewerb deutschsprachiger Schauspielstudierender ein einmaliges Instrument zur Entwicklung von Studienzielen und Methoden in der Ausbildung seiner Schauspielerinnen und Schauspieler zur Verfügung. Einmalig nicht nur wegen der problemlosen Zusammenarbeit von staatlichen oder städtischen Institutionen Österreichs, der Bundesrepublik und der Schweiz, sondern auch wegen der Rückkopplung mit Theaterpraxis, die durch das Urteil der Jury die Ergebnisse der Studierenden, und damit auch der Ausbildungsinstitute, kritisch oder lobend begleitet. Letztendlich entscheiden aber die Intelligenz und der Enthusiasmus, die Energie und die Arbeit der Studierenden über den Erfolg der Bundeswettbewerbe deutschsprachiger Schauspielstudierender."

Foto - Die Geschichte des Theatertreffens

 

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